Bild: www.pixabay.de

Gefahren an der Einsatzstelle – GAMS-Regel

Eigenschutz ist immer mehr ein Thema bei den Einsatzkräften der Feuerwehren wie auch Hilfsorganisationen. In einer folgenden Serie möchten wir Eigenschutzthemen explizit für Einsatzkräfte aus Feuerwehren oder Hilfsorganisationen aufgreifen.

Beitrag 1/2019: Gefahren an der Einsatzstelle – GAMS-Regel.

Ein häufiges und gelehrtes Schema für die Einordnung von möglichen Gefahren ist die Gefahrenmatrix nach der “4A 1C 4E-Regel”. Mithilfe dieser einfachen Regel kann eine mögliche Gefährdung für Einsatzkräfte zügig erörtert werden.

A-Atemgifte

Atemgifte können im Kontext zu diesem Thema in drei Gruppen eingeteilt werden. Es gibt Gifte mit ätzender und mit erstickender Wirkung. Andere belasten die Blutnerven und menschlichen Zellen. Unabhängig von der Wirkung stellen Sie im Grundsatz eine Gefahr für die Menschen und damit auch für die Einsatzkräfte dar. Gerade das Kohlenmonoxid, das für die Menschen ohne technische Hilfsmittel nicht erkennbar ist, ist besonders gefährlich. Unter dem Strich bietet nur ein Umluft unabhängiger Atemschutz eine ganzheitliche Schutzwirkung. CO-Warnmelder, wie heute im Rettungsdienst üblich, können Einsatzkräfte vor dem geruchlosen und unsichtbaren Gas warnen.

A-Absturz

Absturz ist nicht nur auf Baustellen ein Thema. Immer wenn Patienten beispielsweise aus absturzgefährdeten Bereichen oder in der Nähe einer Absturzkante gerettet und behandelt werden müssen, sind Überlegungen zur Arbeitssicherheit verpflichtend.  Das kann beispielsweise ein Bauarbeiter sein, der auf der Baustelle gefährlich nahe an der Absturzkante einen Herzinfarkt erleidet. Ein weiteres Beispiel: Ein verletzter Wanderer, der vom Trampelpfad patientengerecht bis zum RTW durch die Bergwacht transportiert werden muss. Im Rahmen der Lageerkundung muss immer geprüft werden, ob Spezialkräfte wie die Bergwacht für die Rettungsmaßnahmen hinzugezogen werden müssen. Material für die Absturzsicherung halten auch die Feuerwehren vor.

A-Ausbreitung

Die Ausbreitung von Stoffen oder auch zum Beispiel von Giften kann ebenfalls eine sehr hohe Gefahr für die Einsatzkräfte darstellen. Daher ist die Raumordnung und die Definition des Gefahrenbereiches zu Beginn des Einsatzes sehr wichtig. Ausbreitendes Gift kann sehr viel Dynamik verursachen. Es gibt genügend Beispiele, bei denen die Fahrzeuge beim Brandeinsatz zunächst scheinbar sicher stehen und später von dichten Rauchschwaden umhüllt sind. Unter den Bereich der Ausbreitung sind sicherlich auch ansteckende Erkrankungen zu erfassen.

A-Atomare Stoffe

Wenn es um atomare Stoffe und radioaktive Strahlung geht, ist der Einsatz von Spezialkräften zwingend erforderlich  Durch Messungen an der Einsatzstelle sind erste Einschätzungen möglich. Im Wesentlichen kann nur eine möglichst kurze Aufenthaltsdauer und die Trennung zwischen Gefahr und Mensch einen entsprechenden Schutz gewährleisten.

C-Chemische Stoffe

Chemische Stoffe können sehr vielfältig sein. Ob ätzend, giftig oder brennbar. Es bestehen immer große Gefahren für die Einsatzkräfte. Ohne persönliche Schutzausrüstung ist kein sicherer Einsatz möglich. Bereits bei der Erkundung sind entsprechende Fachkräfte einzusetzen.

E-Elektrizität

Gefahren durch Elektrizität sind leicht vorstellbar und doch denkt man oft nicht daran. Unfälle im häuslichen Bereich ereignen sich mit Strom genauso wie Unfälle auf Gleisanlagen. Gerade bei den Bahnunfällen sollte niemand unbedacht die Gleise betreten. Schwere Verletzungen können auch bei Hochspannung führenden Leitungen mit einem Lichtbogen hervorgerufen werden. Bei jedem Einsatz muss man daher die Gefahr “Elektrizität” systematisch prüfen. Die Stromabschaltung steht bei den Präventionsmaßnahmen im Vordergrund.

E-Einsturz

Diese Gefahr ist immer bei der Erkundung zu beachten. Bei einem Gebäudebrand oder auch einer Explosion muss ggf. mit einem Statiker das Gebäude in Punkto Einsturzgefahr beurteilt werden. Dies gilt auch dann, wenn augenscheinlich nur Teilbereiche betroffen sind. Herabstürzende Teile können bereits bei den Löschmaßnahmen die Einsatzkräfte treffen. Daher: Abstand halten. Eine Fausregel empfiehlt: der Abstand zu einem einsturzgefährdeten Bereich sollte immer 1,5 mal so groß sein soll wie die Höhe des Gebäudes. Bei der Raumordnung und der Fahrzeugaufstellung müssen solche Punkte beachtet werden.

E-Explosion

Eine Explosion setzt Druck und Wärme frei. Aus diesem Grund sind zum Schutz der Menschen umfangreiche Räumungs- und Evakuierungsmaßnahmen notwendig. Hier ist die Meinung der Fachleute gefragt. Entschärfer geben sehr schnell auch telefonisch Hinweise zu den notwendigen Mindestabständen und der Definition des Gefahrenbereiches.

E-Erkrankung (und Verletzungen)

Erkrankungen und Verletzungen können immer den Einsatzverlauf beeinträchtigen. Hier kommt einer vollständig persönlichen Schutzausrüstung wesentlicher Beitrag zu. Arbeitsabläufe müssen zur Unfallvermeidung definiert und eingeübt sein. Nur so lassen sich Unfälle vermeiden. Gefahren können nicht nur von sich selbst, sondern auch von den Umgebung ausgehen. Tiere können bei Einsätzen gefährlich nahe kommen. Seltsame Begegnungen mit Haustieren gibt es nicht nur im Feuerwehreinsatz.

Die Gefahr kann aber auch von Menschen ausgehen. Immer mehr Einsatzkräfte werden angegriffen.

Fazit:

Eine gewisse Portion Egoismus ist mit Blick auf den Eigenschutz nicht schädlich. Der Eigenschutz spielt für den störungsfreien Einsatzverlauf eine wichtige Rolle.

Daher zur Erinnerung die GAMS-Regel:

  1. Gefahr erkennen
  2. Absicherung der Einsatzstelle
  3. Maßnahmen / Menschenrettung unter Berücksichtigung des Eigenschutzes
  4. Spezialkräfte nachfordern

Dank dieser Regel können viele Einsätze sehr schnell kategorisiert und eingeschätzt werden.

Hier ein Video zum Thema:

https://www.youtube.com/watch?v=DjxCzMDIEG8

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.